Heß-Marsch 2018: Wie wars?

Wir schauen auf mehr oder weniger erfolgreiche Proteste gegen den Heß-Marsch in Berlin zurück. Unser Demoticker und der hashtag #B1808 haben euch durch den Tag gebracht und geben ein ganz gutes Bild wie es so war.

Etwa 700 Neonazis, also deutlich weniger als im Vorjahr, haben in weißen Shirts und schwarzen Hosen ihren Gedenkmarsch zur Glorifizierung des NS-Kriegsverbrechers Rudolf-Heß in Berlin durchführen können. Das gelang nur durch die Unterstützung von 2.300 Polizist*innen aus dem ganzen Bundesgebiet (Brandenburg, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen sowie von der Bundespolizei) und einer Finte des Innensenats, um den Protest möglichst gering zu halten.

Der Protest gegen diese Verherrlichung des Nationalsozialismus konnte zwar die Zahlen vom letzten Jahr erreichen, wurde aber diesmal nicht vom Senat hofiert (unabhängig was die Regierungsparteien so alles geschrieben haben). Die Konsequenzen waren: lange Wege (erst nach Spandau, dort demonstrieren, dann nach Friedrichshain und Lichtenberg), blutige Nasen durch eine militarisierte Polizei, und unzählige Kleinstblockaden, die zwar gut anfingen (danke nochmal an alle die es probiert haben), aber nur in zwei Fällen (Petersburger Ecke Landsberger und später Möllendorfstraße Ecke Storkower), eine gewisse Größe erreichten. Unverholen freuen wir uns über alle Aktionen, die den Neonazis an dem Tag und im Vorfeld geschadet und die Laune vermiest haben.

Wir halten es für einen schweren (historischen) Irrtum im postfaschistischen Deutschland mit dem „Meinungsfreiheit-Argument“ den Neo-Faschist*innen den Weg frei zu machen und alle die sich dagegen stellen zu kriminalisieren. Gegen diesen Irrtum hilft nur Widerstand, der über das erlaubte Maß der Proteste hinausgeht.

Fotos von dem Tag findet ihr z.B. bei Flickr von Kim Winkler, Tim Lüddemann, Presseservice Rathenow, Leftreport, PM Cheung

Falls ihr Betroffene staatlicher Repression geworden seid. Meldet euch bei uns oder beim Berliner Bündnis gegen Rechts.

Achtung: Es wird eine öffentliche Nachbereitung des Tages MIT EUCH geben. Achtet auf Ankündigungen. Wir denken, dass es einiges zu besprechen gibt.

Ein Kommentar:

  1. Hier vorab ein paar Fragen:
    * die Einschätzung der MBR im Vorfeld war falsch. Wie will sie zukünftige Fehler vermeiden?
    * brauchen wir flexiblere Demo-formen ohne große Bühne und vorbereitete Redner*innen-Liste?
    * wie können wir die Bewegungen der Nazis im Vorfeld und während der Demo besser verfolgen und schneller kommunizieren?
    * wie erreichen wir eine größere Mobilisierung?
    * gibt es bessere Aktionsformen als Sitzblockaden?

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